ARTE mobbt Rihm – Cluster

Die Elbphilharmonie [kurz: 11i] in der Alsterstadt Hamburg ist eröffnet. Großes Hafenkonzert, alles live auf NDR und im Internet via YouTube zu verfolgen. Die Fachleute twitterten sich die Freude zu. Ein Gegenentwurf zur Inauguration des US-amerikanischen Präsidenten anderthalb Wochen später. Selbst Zweifler aus der Ferne waren angetan. Vom Programm des Abends galt das Gleiche. Bunt, typische NDR-Dramaturgie: etwas in Häppchen serviert, davon ein Stückchen, hiervon ein bisschen was. Das Viertel Werk. Aber Schwamm drüber – es flogen Funken durch die Netze. Schön.

Und mittendrin, zwischen Wagner und Beethoven eine neue Komposition aus dem Spätwerk von Wolfgang Rihm. Rihm muss seine musikalische Könnerschaft nicht beweisen, es gelingt ihm eigentlich immer alles, oder anders herum, nichts geht bei ihm wirklich schief. Selig hörte man aus der Ferne zu. Und zur Wiederholung konnte man es dann auf ARTE, dem Kulturfernsehprogramm der ARD und des französischen Rundfunks am 15. Januar ein zweites Mal hören; zumindest, wenn man das Stück nicht einfach ausgelassen hätte. Dort folgte auf Wagner direkt der Schlusssatz aus Beethovens Neunter. Was war passiert? Was hat der Rihm den Verantwortlichen bei ARTE nur getan? Warum durfte der geneigte Zuschauer und Zuhörer nicht dem Rihm lauschen? Warum wird Rihm bei ARTE gemobbt?

Bildstörung. Foto: Hufner

Bildstörung. Foto: Hufner

Am Geld kann es ja wohl nicht liegen. Sonst würde man bei Strawinsky-Balletten auch nur das Start- und Schlussbild senden und nötigenfalls dazwischen die Musik der Megastars aus den Schlagersteilwänden des MDR ausleihen. Dabei hat man das Stück Rihms in der Mediathek der ARD noch großspurig mit den Worten „Seinen Höhepunkt wird der Abend in der Uraufführung eines neuen Werks, das der NDR bei Wolfgang Rihm in Auftrag gegeben hat, erreichen“ ankündigt.

Und da fällt es einem wie Schuppen von den Gräten. Chef bei ARTE ist ja der olle Orchesterfusionär Peter Boudgoust vom SWR. Wenn man dort Orchester fusionieren kann, dann darf man erst Recht das Programm mit dem Stück des Fusions-Widerständlers Rihm dekontaminieren. Liebes braves folgsames ARTE, kommt mir nicht mit der einen oder anderen alternativen Wahrheit. „Make ARTE great again“ geht anders.

Zuerst erschienen in nmz 2/2017

Martin Hufner

Musikjournalist, Lektor, Fotograf.

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