19. September 2020 Guten Tag, everybody
Live aus dem ZkMax München. Foto: Hufner

Die Technik ist schneller und schöner

Die Technik ist schneller und schöner

 
 
00:00 / 3:25
 
1X
 

Taktlos 86 aus dem ZKMax. Nun mein zarter Einwurf — in der Funktion des Maschinenstürmers.

Musik: Charles Coleman: Restless, Anfang [Track 6]

Autor: Es ist dies das letzte Zeichen der verödenden Kunstszene: Man richtet für die so genannte Avantgarde kleine kommunal geförderte Biotope ein. Kunst aus dem Reagenzglas, Kunst im Reagenzglas, Kunst für das Reagenzglas. Solche Biotope sind momentan total hip und das weithin unbekannte ZKMax in München ist ein solches. Dort tummeln sich also die Kunst-Künstler der Zukunft für die Herstellung von Medienkunst aus dem Niemandsland. Das nennt man dann Avantgarde.

Nun ist nichts Schlimmes daran, kleine Biotope für die schwindende Zahl derjenigen Künstler anzubieten, die sich dem Wagnis des Ungewissen annähern. Denn das ist eine wunderbare Möglichkeit, Kunst eonfach stillzustellen, sozusagen als Förderung einer gesellschaftlichen Abseitsstellung. Diese Kunst spielt so weit im gesellschaftlichen Jenseits wie es nur geht und geht daher auch nicht nur symbolisch unter die Erde. Der Avantgardist nennt das dann „subkutan“.

Musik: Josef Anton Riedl: Track 8 [Anfang]

Sprecher: Andererseits ist es hochnotpeinlich, wenn man seine Hoffnung auf Zukunft nur noch in Schaltkreise, Computer und Animationen setzt wie in diesen Medienkompetenz-Centern. Gewiss, das ist der nach außenhin taugliche Teil, da unsere Gesellschaft wie in einer Gebetsmühle, den Looping-Affen machend, nun einmal technikgläubig ist. Weil ferner die Technik immer weiter ist als derjenige, der sie benutzt, kommt auch immer etwas heraus, was keiner zuvor weiß – und was, ehrlich gesagt, auch keiner braucht. Damit ist solche Kunst automatisch legitimiert: Sie ist eine postquamperfekt deformierte Avantgarde. Die zirkelkreisübungmachende Avantgarde ist so unterirdisch weltfern wie die Gesellschaft an dieser störungsfreien Avantgarde desinteressiert. Alles in allem also eine gelungene Koexistenz von Nichts.

Nebenbei: Diese institutionalisierte Kulturferne von Kultur wie im ZKMax ist zudem ein feineres Vorzeigeobjekt als wirklich kulturelle Arbeit in einer kunstfeindlich gestimmten Gesellschaft. Unter der Erde, in mit neon- und laserlicht verdunkelten Grüften, lässt es sich einfach besser munkeln als beim Erhalt von Musikunterricht oder Musikschulen. Das ZKMax: Eine Zukunftsmaschine für Niemand! – mit dem Segen des Kulturreferats.

Musik: Charles Coleman: Restless, ab 37“ (Klavier) [Track 6]