20. April 2021 Guten Tag, everybody
Theater für Niedersachsen

Kontrastreich – klug | Der Theater-Website-Check: Theater für Niedersachsen

Die Website der Theater für Niedersachsen (kurz: tfn) Hildesheim, Goslar und Langenhagen ist nicht der Schönsten eine. Man kann aber im Internet mit einer guten Informationsplattform nicht häufig Designpreise abräumen. Worauf es tatsächlich ankommt, ist die Frage: Funktioniert alles? Beim tfn macht man jedenfalls fast alles richtig. Die wichtigsten Informationen hängen oben in der Navigation (auch die Telefonnummer!!!), der Spielplan des Monats findet sich als Kalender darunter. Schnell ist man bei den aktuellen Informationen, bevor es sich weiter unten optisch differenziert. Zunächst mit großen Kreisen, dann kleineren für die weniger wichtigen Dinge. Das ist alles platzsparsam, logisch, intuitiv und durchdacht. Erst darunter wird es für Außenstehende rätselhaft, wenn es um die „niedersächsische dramaturgie“ geht (was immer das sein könnte, es wird aufgezählt: „großes theater, familientheater, unterhaltung, rarität und moderne“). Hier wechselt die Bildsprache zu verwobenen und farbigen, teilgraphischen Bildern, die ineinander übergehen – vielleicht einen Hauch zu geheimnisvoll.

Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Die Stückeseiten sind mit allen nötigen Informationen versehen wie Terminen, Inhalten, Besetzungen, Bildern, Kritiken, Ticketlinks. Das macht eigentlich jedes Theater mittlerweile gut. In Hildesheim macht man sich die Mühe, die inhaltlichen Zusammenfassungen in türkischer Sprache anzubieten – auch das zeugt von kluger Websiteorganisation. Gut ist ebenfalls, dass gleich an erster Stelle – ganz oben – ein Link auf eine barrierefreie Version der Website zu finden ist. Das findet man nicht allzu häufig; weder überhaupt noch an so prominenter Stelle, wo es aber hingehört.

Theater für Niedersachsen
Theater für Niedersachsen

Moment! Nach längerer Durchsicht am Desktop-Rechner fallen die drei kurzen Balken oben links auf, die man als Menü vom Smartphone her kennt – und genau für Smartphones ist dieses Menü unerlässlich. Die Navigation mit diesem Menü ist sicherlich kleinteiliger und nicht mehr ganz so intuitiv, dafür umfangreicher. Auf diese Weise kann man zum Beispiel „inklusive angebote“ erreichen, wenn man weiß, wo sie zu vermuten sind – nämlich unter „mitmachen“.

Online-Kartenkauf & Datenschutz

Der Ticketshop wird über den Dienstleister ReserviX abgewickelt. Dabei wird immer eine Servicegebühr von mindestens 1,95 Euro fällig. ReserviX begründet das so: „Grundsätzlich erheben wir eine Servicegebühr pro Bestellung. Mit der Servicegebühr decken wir die Kosten für unseren 24-stündigen Kundenservice sowie den Betrieb und die Weiterentwicklung unserer technischen Systeme. Somit können wir stets für sichere Transaktionen und eine einwandfreie Kundenbetreuung sorgen.“ Das ist ärgerlich, aber wohl möglich. Schade.

Datenschutzprobleme sind nicht zu erkennen: In dieser Hinsicht ist man absolut sparsam. Es gibt keine Statistik-Tracker, es werden nur zwei „Cookies“ gesetzt, die aber „essentiell“ sind – einer davon, um abzuspeichern, ob und welche Cookies man zulässt und welche nicht. Auch wenn es nervt, ist die Abfrage wohl nötig für den zweiten Cookie, dessen Zweck lautet: „Behält die Zustände des Benutzers bei allen Seitenanfragen bei.“ Das ist absolut vorbildlich.

Social Media

Interessant ist die unterschiedlich bedeutsame Präsenz der tfn in den sogenannten sozialen Medien. Man hat knapp 5.000 Fans bei Facebook, obwohl die Kommunikationsintensität gar nicht so hoch ist. 512 Abonnenten finden sich bei YouTube, obwohl die dort gelisteten Videos nicht so häufig aufgerufen werden. Man hat knapp 2.000 Follower bei Instagram, was erstaunlich ist. Das lässt sich so deuten, dass doch ein aktives junges Publikum dem Theater an seinen verschiedenen Spielorten die Treue hält.

Fazit

Alles in allem: gelungene, sehr ernste und ästhetisch strenge Website, ohne Brimborium, aber mit vielen nützlichen Tools. Einen Hauch Witz vertrüge sie sicher gut.

Adresse: https://www.tfn-online.de/


Zuerst erschienen in Oper & Tanz 2020/06