Theater-Website-Check: Mainfrankentheater Würzburg

Die Website wurde mittlerweile gründlich überarbeitet. [Stand 2017/05 – die alte Ansicht 2015]

Strukturiert unstrukturiert

Eine Website ist immer etwas Besonderes, wenn man nicht eine Gestaltung von der Stange kauft. Viele Menschen machen sich da viele Gedanken. Wie wir schon in früheren Beobachtungen an anderen Theaterwebsites feststellen konnten, ist die Abbildung des Theateruniversums noch der kleinsten Bühne nicht wesentlich einfacher als diejenige eines so genannten großen Hauses. Fast immer kommen sich dabei Nutzerfreundlichkeit und Gestaltungseigenwille in die Quere. Schön und gut ist selten.

Mainfrankentheater Würzburg. Website: Stand Mitte 2015

Mainfrankentheater Würzburg. Website: Stand Mitte 2015

In Würzburg hat man versucht, es schön zu machen. Unter einer unmissverständlichen Headline, die darüber Auskunft gibt, dass man sich auf der Website des Mainfrankentheaters befindet, tritt einem ein Feld von fast quadratischen Kasteln entgegen. In der ersten Reihe Rubriken andeutend (mit eigenwilliger Typographie), darunter ein Slider mit einer Diashow der nächsten Vorstellungen und darunter, fast bunt zusammengewürfelt, weitere Felder, gewiss akkurat in Reih und Glied, dafür aber meistens mit wenig sprechendem Inhalt. Man kommt sich vor, wie auf einem Memory-Feld: Nur mit dem Problem, dass man nicht genau weiß, welches Feld man an welcher Stelle umdrehen muss, um zu seinem oder überhaupt einem Ziel zu kommen.

Da sind unten im rechten Quadranten Videos zu Produktionen, links daneben abwechselnd Broschüren zu… (so genau kann man es nicht erkennen). Eigentlich wollte man es, das spürt man, ganz anders haben: einfach und übersichtlich. Zum Beispiel beim Einsatz von Farben: Auf dem edlen grauen Fond finden sich zur Gestaltung der Oberfläche nur noch schwarz, rot und weiß. Die Reduktion ist gut, bei den Formen allerdings ist die Reduktion auf die Kasteln dann zu vehement.

Das hat in der Summe zur Folge, dass die Zurückhaltung auf den Besucher überspringt, der sich ebenso zurückhält. Dass man die Sache nicht zu Ende gedacht hat, sieht man auch am Fuß der Seite mit der üblichen Übersicht. Die Spaltenüberschriften sind nichtssagend, eine Mischung aus Supermarkt, Restaurant und Kleingedrucktem („Hauptmenü / Angebote / Mehr Infos“). Eine Suchfunktion, die einem in der Not helfen könnte: Fehlanzeige. Einen Link zur Startseite (üblicherweise hinter dem Namen der Institution oben hinterlegt), gibt es nicht – Tipp: das Kastel „Aktuelles“ führt zum Start.

Will man schließlich die Kasteln aufdecken, muss man genau zielen. Allein die Überschrift unter dem Bild ist verlinkt. Die nächste Enttäuschung: Geht ein Kastel auf (hier bei „Fidelio“ probiert), kommt ein Eintrag, in dem ein wenig informativer administrativ klingender Minitext zu lesen ist. Zum eigentlichen „Fidelio“-Eintrag kommt man dagegen nur über die obere Leiste „Spielplan“ oder wenn man in dem kurzen Detail-Text einen Link findet und ihn anklickt. Das ist wenig intuitiv. Der wirkliche Detail-Eintrag selbst ist dann in Ordnung: Inhalt, Besetzung, Fotos und Pressestimmen. Ein Video zum „Fidelio“ am Theater gibt es zwar auch, aber sehr versteckt in einer Linkliste, das ist schade und verschenkt. Unten links, weiß auf rot: Kartenbestellung.

Kartenkauf
Und da kommen wir zum größten Manko des Webauftritts. Der Link zur Kartenbestellung führt zum Kartenshop des Mainfranken Theaters. Da kann man sich prima durchhangeln und bekommt am Ende, Überraschung, einen Preis angezeigt, (der vorher nirgends Erwähnung findet, dafür gibt es ja einen eigenen Menüpunkt), und der mit der Bemerkung versehen ist: „Preis dient nur zu Informationszwecken und ist nicht bindend“. Das nennt man Klarheit und Sicherheit. Die Karten kann man dann an der Kasse innerhalb von zwei Wochen abholen oder sich an der Abendkasse hinterlegen lassen. Das wirkt nett, aber unverbindlich. Man kann auch den Menüpunkt „Internetmodul“ (der und das heißt wirklich so) verwenden und wickelt die Bestellung dann über den Dienstleister „Eventim“ ab. Eine Auswahl dort im Menü führt dann aber auch schon mal auf Veranstaltungen, die gar nicht angeboten werden („Carmen“). Ansonsten ist die Software von Eventim bekannt, Platzwahl ist direkt möglich, das Ticket kann ausgedruckt werden …

Ob man eine Karte über die Reservierungsmöglichkeit des Theaters oder den Fremdanbieter „Eventim“ kauft, ist allerdings auch eine Frage des Preises. Die sind nämlich verschieden. Warum man überhaupt zwei Online-Schnittstellen einsetzt, bleibt ein Geheimnis des Theaters.

Mobile
Die Website des Theaters ist leider noch nicht fit gemacht für Smartphones. Dort geht es somit mindestens so unübersichtlich zu wie auf der Website selbst.

Soziale Netze
Das Mainfranken Theater nutzt die Kanäle in den sozialen Netzwerken. Bei Twitter (@MFTheater) kann man auf zirka 870 Follower verweisen, bei Facebook auf knapp 3.500, was wirklich sehr ordentlich ist. Twitter ist aber nur eine Doppelung des Facebook-Auftritts mit automatisierten Inhalten: Die eigentliche Twitter-Kommunikation ist also ziemlich gleich Null. Dass man sich bei Facebook Mühe gibt, offenbart das Ineinanderspiel von Profil- und Kopfbild, das ist mit viel Liebe und Können gemacht.

Datenschutz
In jedem Fall sind die Informationen zum Impressum und zum Datenschutz nicht zu beanstanden. Ein Hinweis auf das Tracking durch Fremdanbieter sowie Tipps, wie man das gegebenenfalls verhindern kann, sind vorhanden. Die Website ist ferner standardmäßig über eine verschlüsselte Adresse (https://) erreichbar. Auch das ist vorbildlich!

Fazit
Eine grafische Idee allein trägt den Webauftritt des Mainfranken Theaters Würzburg leider nicht. Vielleicht ist die Außenwirkung auch viel weniger wichtig. Anders als bei den auf dem internationalen Parkett operierenden Bühnen, die schließlich auch Touristen bedienen wollen und müssen. Da mag eine Verankerung vor Ort von größerer Bedeutung sein als eine im Netz.

Zuerst erschienen in: Oper & Tanz 2015/03

Martin Hufner

Musikjournalist, Lektor, Fotograf.

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