Theater-Website-Check: Staatsoper Hamburg

Übersichtlich, aber steif

Eines der größten Opernhäuser in Deutschland hat vor kurzem sein Gewand im Netz gewechselt. Statt des Kastensystems in tiefstem Blau setzt die Hamburgische Staatsoper nun auf aktuelles Internetdesign. Die Website ist gut lesbar, man hat sich für Einspaltigkeit entschieden, für (foto)grafische Elemente wird Raum gelassen. Und die Staatsoper steht nicht mehr allein, sondern macht gemeinsame Sache mit „Hamburg Ballett John Neumeier“ und dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg.

Der optische Ablauf von oben: Institutionen, Kategorien, Spielplan, Nachrichten und am Seiten-Fuß allgemeine Hinweise. Das Ganze wirkt modern, aber nicht wirklich schick, halt ein bisschen wie von der Webdesignstange. Das ist aber solange in Ordnung, wie dadurch die Nutzung nicht behindert wird. Wer zum ersten Mal diese Seite besucht, wird sich jedenfalls gut hindurchnavigieren können und dürfte nicht gleich von der Website erschlagen werden.

Die Kategorien oben auf der Seite sind ein wenig eigenwillig: Spielplan, Service, Menschen, jung, Blog. Man muss da als Nutzer ein bisschen experimentieren. Interessant ist bei der Spielplandarstellung, dass man sich durch Filter das Angebot spezifisch einschränken lassen kann nach Sparte, Spielstätte, Wochentag, Tageszeit, Alterseignung und Haupt-/Nebenprogramm – in jeder Kombination; die Filter lassen sich zu einer Kriteriensammlung addieren. Das funktioniert auch! Außer beim Kriterium Alterseignung. Was mit „ab 4 Jahren“ wirklich gemeint ist (plötzlich fehlt ein Konzert mit Barockmusik, dafür ist geeignet: „Abschlusskonzert des Lied-Meisterkurses für die Mitglieder des Internationalen Opernstudios“), erschließt sich einem nicht und wird auch nicht erklärt – bei „ab 16 Jahren“ fehlt dafür „Spielplatz Musik: Ein Koffer voll Musik … Emils Reise durch Europa!“, was jedoch für „ab 8 Jahren“ nicht, aber für „ab 4 Jahren“ geeignet ist.

Website der Hamburgischen Staatsoper. Screenshot vom 25.5.2017

Website der Hamburgischen Staatsoper. Screenshot vom 25.5.2017

Die Stückeseite selbst ist in Ordnung. Man erfährt genügend über Besetzung und Stück, häufig angereichert mit Impressionen und gegebenenfalls Videos. Pressestimmen zu finden wäre allerdings auch schön, ebenso ein Hinweis auf tiefergehende Zusatzinformationen, die man sonst im „Blog“ suchen muss, wenn man wüsste, dass sie dort zu finden sind. Und eigentlich wäre hier der Platz dafür anzuzeigen, welche Alterseignung man empfiehlt und was man damit überhaupt meint.

Mobile

Die Website der Hamburgischen Staatsoper lässt sich sehr bequem auch mit einem Smartphone durchstöbern. Das funktioniert sogar erstaunlich gut – außer bei der Auswahl der Spielplan-Filter auf einem iPad mit Safari als Browser. Und das ist keinesfalls eine besonders exotische Nutzungsform, die die Websitegestalter außen vorlassen könnten.

Online-Kartenkauf

Für den Kartenverkauf setzt die Staatsoper auf das nicht ganz so verbreitete „jet ticket“-System. Dieses funktioniert genauso einwandfrei wie bekanntere und ist ebenso verschlüsselt und damit ziemlich sicher. „Vorstellung wählen, Platz wählen, in den Warenkorb legen, registrieren/anmelden …“ All das läuft reibungslos. Positiv: der Hinweis, dass der Ticketkauf im Internet nur mit Kreditkarte möglich ist. Bei vielen anderen Opernhäusern vermisst man einen solchen Hinweis. Negativ: Keinen Reim kann man sich auf den Hinweis „Bei Buchung im Internet bezahlen Sie für die postalische Zusendung der Karten eine reduzierte Versandgebühr von Euro 2,50“ machen. Wo ist denn da die Reduktion? Selbst ausdrucken ist aber umsonst.

Datenschutz

Die Hamburgische Staatsoper hat ein ausführliches Impressum und eine umfangreiche Datenschutzerklärung. Beide sind nachvollziehbar. Leider wird in der Datenschutzerklärung nicht darauf hingewiesen, dass man einen Tracker auf der normalen Website einsetzt (Piwik – Auswertung der Nutzung und des Nutzerverhaltens auf der Website) und einen anderen im Blog (WordPress-Stats). Dies sollte man schnellstens nachholen, am besten gleich mit der Möglichkeit versehen, sich per Klick nicht tracken zu lassen.

Social Media

Die Staatsoper hat bei Facebook zirka 8.000 Follower, bei Twitter und Instagram sind es gerade unter 800, den YouTube-Kanal abonnieren knapp 370 Nutzer. Für die Größe und Bedeutung der Oper sind diese Zahlen erstaunlich gering. Da wäre durchaus mehr drin, wenn man sich etwas kommunikativer aufstellen wollte.

Ein Blog führt die Hamburgische Staatsoper auch. Dort findet man durchaus interessante Nebeninformationen wie zum Beispiel einen Text über „Low Tide. Japan nach dem Tsunami – Im Gespräch mit dem Fotografen Denis Rouvre“ – anlässlich der Uraufführung von Toshio Hosokawas „Stilles Meer“. Aber die Mischung der Beiträge wirkt nicht übermäßig gelungen. Nebensächliches und Wesentliches halten sich die Waage. Man wünscht sich mehr „Nähe“ zum angesprochenen Stück. Das Ziel des Blogs: „Die Staatsoper soll ein offenes Haus sein – aus diesem Grund möchten wir die neuen digitalen Kommunikationsformen zum gemeinsamen Diskurs nutzen: Wir laden euch herzlich dazu ein, am Dialog teilzunehmen und mit uns in Austausch zu treten!“ Ob da der IKEA-Modus des Duzens wirklich geeignet ist? Da fehlt doch glatt die Angabe zur Alterseignung…

Fazit

Im Großen und Ganzen ist die Website funktional und übersichtlich gehalten, ein bisschen nordisch steif dabei. Eklatante Mängel gibt es beim Datenschutz, und leider verspielt man manche Verknüpfungsmöglichkeiten, die im System lägen.

Website: http://www.staatsoper-hamburg.de/

Zuerst erschienen in: Oper & Tanz 2016/02

Martin Hufner

Musikjournalist, Lektor, Fotograf.

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