Alter Professor spielte auf

Ekkehard Jost war in der Stadt und spielte auf, zusammen mit Dieter Manderscheid (Bass) und Janusz Maria Stefanski (Schlagzeug). Das Konzert war überraschend gut (dazu später in der nmz oder der Jazzzeitung). Witzig war das Wiedertreffen eines meiner alten Professoren, nämlich Ekkehard Jost, bei dem ich, neben anderen, zwischen 1983-89 studiert hatte. Wann hat man das schon, dass ein alter Professor als Musiker in der Stadt ist.

Als ich ihn in der Pause ansprechen wollte, sah er mich verdutzt an und meinte: “Sie sehen so aus als würden Sie mich kennen.” Jaja, eben, … “achso, ja, eigentlich überrascht ihn das nicht, oder doch.” Dazu muss man wissen, dass ich damals zeitweise so ziemlich in jedem studentischen Gremium vertreten war, vom Fachschaftsrat über den Fachbereichsrat, Komission Dr. phil. habil, Akademische Studienordnungen, Berufungskomissionen … Zumindest liest er anscheinend alles von mir, was in der neuen musikzeitung publiziert wird. Das finde ich gut.

Aber klar ist auch, das auch an mir die Zeit nicht spurlos vorrüber gegangen ist. Wenn mans genau bedenkt war ich zu Studiumsbeginn genau halb so alt. Und er war umgekehrt damals auch nur sechs Jahre älter als ich heute. Wir haben dann noch ganz nett geplaudert – über den Wandel des Instituts nach seiner Emeritierung etc. pp. Auch über Veränderungen in Gießen. Die “Oktave”, früher musikalischer Platz der Jazzinitiative, ist zur Lounge umgemodelt worden, statt dessen ist man in den Ulenspiegel am Seltersweg ausgewichen. Dorthin ist auch die Institutsreihe “Musica nova” ausgewichen. Erinnern konnte sich Ekkehard Jost an eine Aufführung der Songbooks von John Cage, in der ich eine nette Brüllpassage übernommen hatte – mindestens 150 mal “nichi, nichi, kore ko nichi”, bis der Kopf blutrot platzbar war.

Ekkehard Jost am Bariton-Saxophon. Foto: Hufner

Ekkehard Jost am Bariton-Saxophon. Foto: Hufner

Das Konzert, war soweit man das jetzt anreißen kann, wirklich gut. Bestand im wesentlichen aus Standards, die aber nicht standardartig gespielt wurden. Es war musikalisch eher ein Spiel mit der Akusik des Raumes, der des Grafiksaales der Ostdeutschen Galerie. Mit dem darin wirkende Nachhall spielten am stärksten Manderscheid und Stefanski.

Anfangs war ich ja nicht ohne Hintergedanken. Der Mann, der mich früher kritisierte, den kann ich nun höchstselbst der Kritik unterziehen. Aber da das Konzert wirklich toll war, wirds ein lobende Kritik.

Auf dem Rückweg, quer durch die Stadt, noch eine kurze Einkehr in der Café-Bar und ein dunkles Foto des Regensburger Doms vom Neupfarrplatz aus.

Martin Hufner

Musikjournalist, Lektor, Fotograf.

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