The Nels Cline Singers: The Giant Pin

Die singen doch gar nicht. – Dem Himmel sei Dank. Es handelt sich um ein schönes Trio aus E-Gitarre, akustischem Bass und Schlagzeug mit Electronics. Doch es klingt wie viel mehr, mal wie nach guter alter Trash-Zeit mit den Mitteln von den Pixies oder Sonic Youth; oder, wer sie noch kennen mag, Blind Idiot God. Letztere klingen am wenigsten ähnlich, aber vom Gestus der Musikauffassung dann doch.

Nels Cline Singers

Nels Cline Singers

The Nels Cline Singers haben nämlich allen andern gegenüber den Vorteil einer größeren musikalischen Spannbreite. Das kann versonnen elektrisch klingen (Track 6: Something About David H.) bis zum rabiat-chronisch-rhythmisch Rundumschlag (Track 3: He Still Carries a Torch For Her). Die Platte ist mal wieder auf dem amerikanischen Labe CryptoGramophon erschienen. Die scheinen sich um nichts zu scheren als denn Qualität. Diese Aussage mag banal klingen. Das ist sie. Und darum ist sie zu verifizieren – und das geht nur mit dem Rezensenten. Der mag es nämlich, wenn dem Geräusch der Eigenklang abgehört wird, wenn es also nicht nur laut sondern musikalisch abgehört wird, wenn sich mit der Musik eine Welt aufspannt, ein Raum (hier) aus kraftvoller Energie. Das mag man gerne mit der Essensaufnahme vergleichen – den McHamburger verschluckt man (und der mag sogar den Zuckerhaushalt wiederherstellen), aber bei feinem Essen wird man auch gefordert mit jeder Faser der Nerven. Bei Musik hat man zudem den Vorteil, dass sich sozusagen der Bissen, geschmacklich jeden Moment verändern kann. Die Geschmacksnerven fangen an zu schillern, sie oszillieren dann: unentschieden zwischen entweder oder oder.

Beispiel: In Track 7 (Bright Moon 11:01 Minuten) wird ein fieseliges Schlagzeug-Solo wohlsinnend geleitet in die “normale” Songstruktur. Die Musik der Nels Cline Singers überrascht zudem damit, dass man nicht vom Anfang eines Stücks auf dessen Ende zu schließen vermag. Was gruschtelig anfängt, mag dann enden in einer Noise-Apokalypse und aus dieser dann ebenso abrupt in eine Free- und Schreiphase übergehen (besonders: Track 9, Square King).

Auf der Homepage wird der Gitarrist der Jazz Times zitiert mit den Worten: “The world’s most dangerous guitarist.” Von mir aus.

 

Martin Hufner

Musikjournalist, Lektor, Fotograf.

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