Webseiten für Theater – eine Checkliste

Die Ansprüche in Sachen künstlerischer, personeller und technischer Organisation eines Theaters sind enorm. Das künstlerische Endergebnis ist aber nur ein Teil des Theaterlebens. Um seinen inhaltlichen Kern herum muss sich eine solche Institution auch sichtbar nach außen machen. Presse und Öffentlichkeit sollen schließlich über die Tätigkeit der Häuser hinreichend informiert werden, nach Möglichkeit sollen sie dies zugleich intelligent und sachlich tun und gleichzeitig die Sinne der potenziellen Besucher ansprechen.

Ein eigenes künstlerisches Produkt

screenshot Bayerische Staatsoper

screenshot Bayerische Staatsoper

Das Internet spielt in diesem Zusammenhang in letzter Zeit nicht nur eine immer größer werdende Rolle, sondern wird zu einer Zentrale der Information und verdrängt vor allem überregional gesehen Werbeinformationen in Printmedien. Lokale Informationen, zum Beispiel über Plakate, gerade auch für ein traditionell und weniger technikaffin orientiertes Publikum, ersetzt das Netz allerdings nicht. Zahlreiche Häuser stecken viel Arbeit in die Gestaltung von ansprechenden und motivierenden Plakaten und Informationsbroschüren. Das Internet sollten sie dabei nicht vergessen. Die Webpräsenz ist längst mehr als eine unbedingt notwendige Visitenkarte, sie ist selbst zum künstlerischen Produkt geworden, dazu Verkaufsfläche, Selbstdarstellungsorgan, Kommunikations- und Informationsraum. Das Spektrum reicht von der Live-Übertragung einer Oper (Web-TV) über den Programmzettel mit Informationen zu den Stücken, Besetzungen und Pressestimmen bis zum Verkauf von Merchandisingprodukten.

Datenschutz

Damit nicht genug, sind auch Standards einzuhalten, um barrierefreie Zugänge zu ermöglichen, sichere Bezahltransaktionen zu gewährleisten und Richtlinien des Datenschutzes (insbesondere zum Schutze des Besuchers) zu beachten. Nicht alles ist dabei eine Frage der freien Entscheidung, teilweise wird zum Beispiel rechtlich vorgeschrieben, wie und ob das Nachverfolgen von Website-Besuchern protokolliert werden darf. In Deutschland machen dies nur wenige Häuser wie zum Beispiel in Erfurt, Leipzig, Dessau oder Kiel. In Österreich und der Schweiz sieht man die Sache offenbar ebenso locker. Bei der Wiener Staatsoper oder beim Opernhaus Zürich findet man keinerlei Hinweis auf erhobene Daten und „trackt“ Besucherdaten zudem noch mit Mitteln des Netzdienstanbieters Google. Vorbildlich dagegen sind in diesem Punkt die Theater in München, Dresden, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Bremen, Aachen oder Bonn. Das Theater Essen weist immerhin unter dem Punkt „Datenschutz“ auf die Nutzung der Daten zu Marktforschungszwecken hin. Weimar und Mannheim tun dies auch und zeigen darüber hinaus die technische Möglichkeit auf, seinen Besuch zu anonymisieren. Diese Frage mag marginal erscheinen, aber Kultur ist ein Objekt des Vertrauens und der Glaubwürdigkeit, daher sollten auch die Agenten der Kultur keinen versteckten Gebrauch von Daten ihrer Nutzer machen. Zumindest sollten sie diese darauf hinweisen und ihnen auf einfache Art und Weise die Möglichkeit bieten, dieser Nutzung zu widersprechen.

Bei einem ersten Rundgang über und durch die Websites deutschsprachiger Opernhäuser und Theater bemerkt man vor allem eines: Die Theaterlandschaft auf den Webseiten ist grafisch nicht unbedingt vielfältiger als die sich zum Teil stark ähnelnden Bauten, in denen Theater stattfindet. Versalien spielen eine große Rolle, der Kontrast Schwarz/Weiß ebenso. Die alte Plakatästhetik für Litfasssäulen spiegelt sich erstaunlich oft wider.

Social Media

Ein neues Feld ergibt sich mit der Verbreitung so genannter Kanäle im Bereich von „Social Media“ wie Facebook, Twitter, YouTube, Vimeo, Google+ et cetera. Werden diese Medien auch bespielt und in welcher Form wird hier kommuniziert? Das Internet bietet verschiedene Resonanzformen an, anders als in der Kommunikation durch Flyer, Plakate oder durch die Kunst selbst. Die Zugangsschwelle kann beliebig hoch oder niedrig sein. Wie hält das ein „großes Staatstheater“ gegenüber einem „kleinen Stadttheater“? Da ist am einen Ende das offenbar immer noch einer Cyberattacke zum Opfer gefallene Landestheater Coburg mit seiner „Not-Website“ und am anderen Ende die Bayerische Staatsoper München mit ihrem Vollprogramm (vom Web-TV über den Ticketverkauf und YouTube-Kanal bis hin zum Blog). Eine weitere Aufgabe kommt auf die Websitebetreiber mit der stetig steigenden Verwendung mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablets zu. Wie gut sind Theater darauf vorbereitet?

In den folgenden Ausgaben werden wir an dieser Stelle Theaterwebsitekritik betreiben, nachschauen, wo der Grafiker an den Nutzern vorbei gewirkt hat, wo es überraschende Funde gibt, womit Theater ihr Publikum auch im Internet an sich binden – und womit sie es möglicherweise abstoßen.

Es gibt nicht die eine perfekte Website, es gibt auch nicht die endgültige, alle anderen Aufführungen aufhebende Inszenierung oder Interpretation eines Werks. Die Grenzen des Geschmacks werden wir dennoch so gut wie möglich immer unterschreiten und selbstverständlich mit objektiven Kriterien die Dinge betrachten.


Zuerst erschienen in: Oper & Tanz 2014/01

Martin Hufner

Musikjournalist, Lektor, Fotograf.

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