25. Juli 2021 Guten Tag, everybody
Alles nicht so einfach. Foto: Hufner

Kultur verpflichtet

In schwierigen Zeiten wie diesen ist es nicht immer leicht, Informationen zu sortieren, einzuordnen und zu bewerten. Die Situation, vor die uns die Pandemie stellt, betrifft jeden Menschen in singulärer Weise und addiert sich auf das Leben, das wir ohnehin führen müssen und das uns mal mehr, mal weniger glücklich oder unglücklich macht. Menschliche und wirtschaftliche Herausforderungen treffen alle zusammen, aber eben auch jede*n einzeln individuell. Es ist verständlich, wenn dabei jede*r für sich zusieht, wie man da am besten durch die Zeit kommt.

Die meisten tun dies in der Hoffnung, dass man dabei niemanden verletzt, wenn man für seine eigene Sache streitet, sondern dass der Kampf für die eigene Sache zugleich ein Kampf für die Sache aller ist. Leider klappt das nicht immer.

Für diejenigen, die in den vielfältigen Formen der Kulturbranche arbeiten, ist das selbstverständlich, denn Kulturarbeit ist Menschenarbeit. Wer die Unversehrtheit von Menschen riskiert, arbeitet nicht für, sondern gegen unsere Verfasstheit als Kulturstaat.

Das aber heißt, dass auch die Fort­existenz der Kulturschaffenden als Kulturschaffende über den Tag hinaus gesichert werden muss. Das ist eine genauso gesamt-gesellschaftliche Aufgabe. Kultur-Egoismus, der die Gefährdung seiner Teilhaber*innen und Produzent*innen steigert, damit Kulturräume mit der berüchtigt vollen Straßenbahn mithalten können, wäre nicht nur der sachlich falsche Weg, er würde zudem die Solidarität, derer sich eine demokratisch aufgeklärte Gesellschaft rühmen darf, überstrapazieren.

Weder Liebe noch Solidarität lassen sich befehlen. Nur in einer intakten Kultur, die diesen Namen verdient, kann derlei gedeihen. Kultur stirbt nicht, wenn sie in den und durch die Menschen lebt; aber sie stirbt, wenn Menschen sterben.


Quelle: Ausgabe: nmz 11/2020 – 69. Jahrgang