Theater-Website-Check: Staatstheater Mainz

Inhalt statt Verweis

Erst vor kurzem ist mit dem Intendantenwechsel in Mainz auch eine neue Website aufgesetzt worden. Diese sieht dabei zunächst gar nicht aus wie eine Website, vielmehr wird eine ausgewählte Produktion bildschirmfüllend platziert: Zack! Scrollt man weiter, kommt die nächste und weiter dann die dritte. Prominenter und zielsicherer kann man seine Website-Nutzer fast nicht führen. Erst die dritte Scroll-Aktion führt auf eine Übersichtsseite, aber auch hier sind auf dem Bildschirm wirr verteilt weitere Produktionen des Hauses mit Bildchen und Titel gelistet. Das ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber von der Logik her für so ein Theater gar nicht falsch. Die Website des Staatstheaters Mainz ist nämlich sicher nicht der Ort, an dem man immer wieder aktuell über Neuigkeiten informiert werden oder in die Tiefen der Archive steigen will. Da kommt so eine fast überwältigende Anmutung gerade recht, bloß nicht mit zu viel Informationen vom Wesentlichen abzulenken.

Staatstheater Mainz. Website-Screenshot vom 3.3.2015.

Staatstheater Mainz. Website-Screenshot vom 3.3.2015.

Freilich muss man schon ahnen, dass der Hase so läuft, und man muss ahnen, dass dieser kleine Stern im Kreis rechts oben in der Ecke der Knopf ist, den man bedienen muss, will man sich bei der Navigation durch die Seite etwas helfen lassen. Wenn nicht, wird man auch nicht gerade auf der Website untergehen. Aber das ist schon mutig. Man setzt hier in Mainz gewiss nicht auf Namen, sondern auf Schall und Rauch – und das ist jetzt durchaus positiv gemeint! Das Theater selbst ist der Mittelpunkt und das, was es an Produktionen auswirft. Kommunikation im Sinne von Gespräch ist hier nicht das erste Ziel. Das mag etwas altmodisch wirken, wo man doch sonst an jeder Stelle zu seiner Meinung befragt wird, es ist aber stimmig gelöst. Die Website ersetzt nicht das Theater, sie soll vielmehr dorthin locken, neugierig machen.

Die Lockerheit der Seitengestaltung wirkt sich dann übrigens auch bei der Verwendung eines Smartphones positiv aus.

Bevor in der Fußleiste dann so ziemlich alles gelinkt ist, was wichtig ist, gibt es noch drei Hauptpunkte, die man wählen kann: Spielplan, Karten kaufen und Service. Das wirkt fast schon etwas schüchtern und funktional. Drei beschriftete Icons auf grauem Grund. Und Klick. Beim Spielplan findet man alle nötigen Informationen zur jeweiligen Produktion, sogar mit Kritikauszügen.

Online-Kartenkauf

Kartenkauf geht auch, mit den bekannten Einschränkungen, als Dienstleister nutzt man das System von Eventim. Aber man weiß nicht, ob die Dinge wirklich über sichere Verbindungen abgewickelt werden und welche Zahlungsmodalitäten gelten. Zuerst muss man sich aber registrieren lassen. Warum? Welche Katze wollen die einem im Sack unterjubeln? Ein bisschen mehr Transparenz wäre zu wünschen. Aber der Karten-Shop ist im Effekt noch vom alten Webauftritt übrig geblieben, davon zeugen einige merkwürdige Links am Rande, die alle nicht mehr zu dem Ziel führen, das sie einem versprechen. Das wirkt allerdings in einer so heiklen Umgebung wie einer Zahlungsabwicklung nicht vertrauensfördernd.

Datenschutz

Das Staatstheater Mainz nutzt Webtracking-Codes und weist hier auch da-rauf hin. Nicht nur das, man verlinkt auch auf entsprechende Plugins für die Browser, um das Tracking zu unterbinden. Ein bisschen juristisches Kauderwelsch findet sich aber auch: „Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei den bereit gehaltenen Werken nicht um (freie) amtliche Werke im Sinne des § 5 UrhG handelt.“

Social Media

Bei Twitter (seit 2012) hat man 928 Follower, folgt selber aber nur 9 Twitterern [das hat sich bis Mai 2017 nicht geändert]. Bei Facebook (seit 2009) kann man auf mehr als 6.300 Fans verweisen. Wie so häufig in diesem Geschäft: Beide Kanäle mit ordentlichem Einsatz zu verfolgen, dürfte zu anstrengend sein – man ist, das darf man nicht vergessen, ein Theater und kein Online-Magazin.

Ein bisschen komisch für ein Theater in Deutschland wirkt die Webadresse www.staatstheater-mainz.com, obwohl die .de-Endung durchaus auch dem Theater gehört und dann auf die .com-Adresse weiterleitet.

Adresse: www.staatstheater-mainz.com

Zuerst erschienen in: Oper & Tanz 2015/02

Martin Hufner

Musikjournalist, Lektor, Fotograf.

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